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Buchmesse in Leipzig

Fotos: Nina Altmann

Buchhändler vor!

Ein Heimspiel: Der gelernte Buchhändler und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz trifft auf der Leipziger Buchmesse Autorinnen und Autoren, Leserinnen und Leser.

Es sind die sogenannten normalen Menschen, für die sie sich beide interessieren. Der eine – Clemens Meyer – spürt ihnen in seinen Büchern nach. Der Schriftsteller erzählt von Lokführern, Wachmännern oder Friseurinnen. Der andere möchte Politik für sie machen. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz gefällt, wie Meyer sich in seinen Büchern jenen widme, „die diese Gesellschaft am Laufen halten, die sich aber auf verletzende Weise nicht respektiert fühlen“. Der neue SPD-Chef will sie wieder ins Zentrum der Politik stellen.

Meyer ist auf der Leipziger Buchmesse, um seinen neuen Erzählband „Die stillen Trabanten“ vorzustellen. Für den Kanzlerkandidaten signiert er ein Exemplar: „Viel Glück, Buchhändler vor!“, schreibt er. Ein Buchhändler müsse Kanzler werden, sagt er. Das hat der Kanzlerkandidat auf seinem Weg zum Stand des Fischer-Verlages schon einige Male gehört. Beziehungsweise hat er es vielleicht nicht gehört. Denn Martin Schulz ist während seines Rundgangs auf der Buchmesse umringt von Menschen jeden Alters. Sie sprechen ihn an und es sind nicht nur Teenager, die um Selfies bitten.

Es ist ein Heimspiel, ein Büchermensch auf der Buchmesse. Und wie gerne der Politiker über Bücher spricht, ist an diesem Messetag zu spüren. Der Schriftstellerin Olga Grjasnowa erzählt Schulz wie aufgewühlt er war, als er in Griechenland sah, wie ein Boot mit Geflüchteten ankam. Er erzählt das, weil Grjasnowas neuer Roman „Gott ist nicht schüchtern“ von zwei Menschen handelt, die aus Syrien fliehen müssen. Sein Erlebnis habe ihn berührt, sagt Schulz – dabei habe er das Geschehen nur aus einem Autofenster beobachtet. Auch Bücher wirken anderes als bloße Zahlen oder Zeitungslektüre. Sie können Menschen berühren.

Schulz erzählt in Leipzig von politischen Erfahrungen, von persönlichen Erlebnissen und vom Lesen, das in seinem Leben immer eine zentrale Rolle gespielt hat. Er nennt Lieblingsbücher („Der Gattopardo“), schwärmt gemeinsam mit Clemens Meyer von Autoren (John Steinbeck, William Faulkner) und empfiehlt, alte Herzensbücher wieder zur Hand zu nehmen. „40 Jahre später liest Du Bücher als anderer Mensch“, sagt der SPD-Chef. Der Buchhändler, der Politiker geworden ist und sich anschickt, Kanzler zu werden.