arrow-leftarrow-rightclosecontrastdownloadeasy-languagefacebookinstagrammailmenueMinusPlusprintsearchsoundtarget-blanktwitteryoutube
Inhaltsbereich

Kulturforumstreffen

Jahrestreffen 2018 in Dessau

Ein Jahr vor dem 100. Geburtstag des Bauhauses war das Ziel der diesjährigen Zusammenkunft aller Kulturforen der Sozialdemokratie in Dessau, auf den Spuren von Walter Gropius, Oskar Schlemmer, Marianne Brandt und Ludwig Mies van der Rohe zu wandern, um sich für eigene Veranstaltungen im kommenden Jubiläumsjahr Anregungen zu suchen und neue Impulse für die tägliche Berufs- wie Politikpraxis zu erhalten.

Die Zeit des Bauhauses war geprägt vom mutigen Erfindergeist und unbändiger Lust, Neues auszuprobieren. Tanz, Malerei, Architektur, Design, aber auch die Art des Lernens, Lebens und Wohnens standen grundsätzlich zur Disposition. Es galt Bestehendes anders zu denken und mutig weiterzuentwickeln. Nicht zuletzt aufgrund der negativen Erfahrungen des ersten Weltkrieges wollte man Antworten auf die Fragen der Zeit finden. Neue interdisziplinäre Antworten.

Der Architekt Walter Gropius gründete das Bauhaus 1919 auch mit dem Ziel, die Lebensverhältnisse der armen Unterschicht ändern zu wollen. Nicht verwunderlich, dass es deshalb zentral um die Frage der „Zugänge“ ging - jede und jeder sollte sich schließlich nach Ansicht der Bauhaus-Verantwortlichen praktische (günstig gefertigte) Alltagsgegenstände ebenso leisten können, wie die eigenen vier Wände und den dazugehörigen Grund und Boden.

Nach der Eröffnung des Jahrestreffens durch den Vorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel erhielt die 40köpfige Delegation durch Beiträge des amtierenden Oberbürgermeisters Peter Kuras und des Historikers Dr. Walter Scheiffele zahlreiche Informationen zum sozialdemokratischen und liberalen Kontext, den das Bauhaus umgab, der Rolle der ansässigen Industrie, den Direktoren und mitwirkenden Künstlerinnen und Künstlern. Es wurde sofort intensiv diskutiert und analysiert, was denn von den damaligen Prozessen auch heute in Gang zu setzen wäre, um Globalisierung, Digitalisierung und Migration zu meistern und den aktuellen Herausforderungen „sozialdemokratisch“ zu begegnen. Viele Themen von damals stehen noch heute im Fokus, wie der Zugang zu Wohnraum, Bildung und Kultur oder dem Sichern guter Arbeits- und Lebensverhältnisse. Die „Werkstatt in der Werkstatt“ war eröffnet und Arne Lietz, der Vorsitzende des Kulturforums der Sozialdemokratie Sachsen-Anhalt, zufrieden, denn genau so hatte er es sich bei der Bewerbung zum Austragungsort Dessau vorgestellt.

Die historischen Erzählungen verdeutlichten, dass vor allem das Zusammenspiel von Politikern, Kulturschaffenden und Industriellen zum großen Erfolg des Bauhauses beigetragen hat und auch heute ein ähnlich konstruktives Miteinander wichtig wäre. 1925 sicherte der SPD-Politiker Heinrich Peus mit dem damaligen Dessauer Oberbürgermeister Fritz Hesse den Fortbestand des Bauhauses, dem nach seiner Schließung in Weimar das Ende drohte und holte es nach Dessau. Mit Hugo Junkers war nicht nur ein engagierter Großindustrieller und Kulturinteressierter an Bord. Dieser profitierte mit seinen Junkers-Werken, die sich zum größten Industrieunternehmen Anhalts entwickelt hatten und mit einem extrem hohen Wohnungsbedarf für die Arbeiter und ihre Familien verbunden waren – vom Bauhaus und seinen neuen Wohn- und Gestaltungskonzepten. Die wiederum profitierten von den neuen Fertigungsweisen und technischen Erfindungen. Die Stadt selbst vertraute und betraute die Bauhäusler in der Folge mit vielen öffentlichen Bauaufgaben. So entstanden von Walter Gropius die Wohnsiedlung Dessau-Törten und das Arbeitsamt, von Hannes Meyer die Laubenganghäuser, die Trinkhalle von Mies van der Rohe und von Carl Fieger das Ausflugslokal Kornhaus.

Alle Bauten prägen das Stadtbild Dessaus in besonderem Maße. Natürlich wurde das Kornhaus im Rahmen des Treffens ebenso besichtigt wie das Bauhaus selbst und die dazugehörigen Meisterhäuser. Alle Dessauer Standorte werden im Jubiläumsjahr zur GRAND TOUR DER MODERNE gehören, der offiziellen Bauhaus-Deutschland-Tour und neben dem Museumsneubau in Dessau zentraler Teil des Programms des Bauhaus Verbundes 2019. Von den vielen konkreten Vorhaben berichteten während der Tagung Dr. Karin Kolb, Leiterin der Kuratorischen Werkstatt an der Stiftung Bauhaus Dessau, Robert Reck, Kulturdezernent Dessau sowie Babette Winter, Staatssekretärin für Kultur und Europa in Thüringen und Mitglied im Kuratorium Bauhaus Verbund 2019.

Das Bauhaus hat nicht nur hierzulande, sondern weltweit Kräfte entfaltet und entfaltet sie noch, trotz Auflösung der Hochschule durch die Nationalsozialisten 1933. Deshalb richtete sich mit der Preview des Films VOM BAUEN DER ZUKUNFT – 100 Jahre Bauhaus der Blick gewollt über den „Tellerrand“ nach Dänemark, Frankreich und Lateinamerika. Die Dokumentation stellt ausgewählte aktuelle Bildungs- und Städtebaukonzepte vor. Schule ohne Klassenzimmer oder Seilbahnen als Zugangsoption zu Arbeit und Krankenversorgung in den brasilianischen Slums wurden kritisch diskutiert und anhand sozialdemokratischer Ansätze hinterfragt. Wie wollen wir Wohnraum zur Verfügung stellen, wenn der Raum in den Städten knapp wird und die Not in Problemvierteln zunimmt? Was soll in den Schulen gelehrt werden, damit unsere Kinder bestmöglich auf die Zukunft vorbereitet werden? Wie gelingt es uns, die ländlichen Räume lebensfähig und lebenswert zu gestalten und die zunehmende Spaltung der Regionen aufzuheben? Welche Möglichkeiten bietet die Digitalisierung für das Erschließen neuer Arbeitswelten, wenn wir zum Broterwerb nicht mehr zwingend in der Stadt leben müssen und auch nicht mehr wollen?

Die Gäste des diesjährigen Jahrestreffens sind mit vielen Ideen und Projekten, aber auch spannenden offenen Fragen zurückgereist. Motiviert, vor Ort noch intensiver an den Themen zu arbeiten und für uns das bestmögliche Morgen zu gestalten. Interdisziplinär und in guter sozialdemokratischer Tradition. Wir danken allen Gästen und den Referentinnen und Referenten für ihre Beiträge zur gelungenen Tagung.

Weiterführende Informationen zum Jubiläumsjahr und dem Bauhaus in Dessau:

https://www.bauhaus100.de

www.bauhaus-dessau.de

Treffen der regionalen Kulturforen vom 30.6. bis 2.7.2017 in Kassel

Draußen vor dem Fenster lockte eines der Highlights der documenta 14 – der Parthenon der Bücher der argentinischen Künstlerin Marta Minujin, während Dr. Rainer Hanemann, der Vorsitzende des Kulturforums Kassel e.V. und Thorsten Schäfer-Gümbel als Vorsitzender des Kulturforums der Sozialdemokratie die rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Treffens sowie Vertreter und Vertreterinnen der Kasseler Kultur begrüßten. Der Eröffnungsabend stand ganz im Zeichen des gegenseitigen Austausches und ungezwungenen Kennenlernens. Thorsten Schäfer-Gümbel verabschiedete in diesem Rahmen das langjährige Vorstandsmitglied Manfred Geis und bedankte sich für sein intensives Engagement. Auch dankte er Siegmund Ehrmann, MdB für seinen enormen, unermüdlichen Einsatz für Kunst und Kultur, nicht nur als Mitglied des Vorstands, sondern auch als Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien des Deutschen Bundestages; letzteren wird er nach der Bundestagswahl im Herbst verlassen.

Am zweiten Tag stand vormittags ein ausgiebiger documenta-Rundgang auf dem Programm. Ausgangspunkt bildete eine gemeinsame Führung, bevor anschließend die Möglichkeit bestand, sich selbstständig an den verschiedenen Orten der Stadt wie den Glas-Pavillons, Olu Oguibes Obelisk auf dem Königsplatz oder den Ausstellungsorten in der Nordstadt ein Bild von den aktuellen künstlerischen Positionen zu machen.

Der Nachmittag stand ganz im Zeichen des inhaltlichen Austausches der Mitglieder der regionalen Kulturforen untereinander. Thorsten Schäfer-Gümbel gab in seiner Eingangsrede zunächst einen Überblick über die Arbeit des bundesweiten Kulturforums im vergangenen Jahr mit den Schwerpunkten Kulturelle Bildung und Digitalisierung. Er stellte außerdem den umfassenden Entstehungsprozess und die zentralen Inhalte der Kulturpolitischen Leitlinien des Kulturforums vor. Als Ausblick für die kommende Zeit wünschte sich der Vorsitzende des Kulturforums eine engere Kooperation zwischen der Bundesebene und den regionalen Kulturforen, gerade im Bereich der Ressourcenbindung und Organisation. Neben der Auswahl von zwei Schwerpunktthemen pro Jahr sollte es mehr regionale Termine geben, mit dem Ziel, die inhaltliche Arbeit des Kulturforums in die lokalen Räume hinein zu verbreitern. Siegmund Ehrmann gab ergänzend Einblicke in die Arbeit der AG Kultur und Medien der SPD-Bundestagsfraktion in der zu Ende gehenden Legislaturperiode, mit den Themen Stasi-Unterlagenbehörde, Filmförderung, Baukulturtradition und Änderung des Urhebergesetzes. Babette Winter, Vorstandsmitglied und Staatssekretärin für Kultur und Europa in Thüringen, berichtete anschließend aus der Länderperspektive. In Thüringen spielte – neben Aspekten wie dem Erhalt schriftlichen Kulturgutes und der Deutschen Digitalen Bibliothek – insbesondere eine neue Museumsstrategie eine Rolle, die auf das veränderte Rezeptionsverhalten der Museumsbesucherinnen und -besucher reagiert. In der folgenden offenen Runde berichteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ihren jeweiligen Kulturforen und tauschten sich über Themen wie die Frage nach der Notwendigkeit eines Bundeskulturministeriums, die Auswirkungen der Digitalisierung, den fehlenden Nachwuchs und die Mitgliederpflege aus. Als gemeinsame Ziele wurden häufigere Treffen der regionalen Kulturforen untereinander, bessere Einbringung der Mandatsträger der SPD vor Ort in den jeweiligen Kulturforen, die klare Aussprache für die Verankerung von Kultur als Staatsziel und eine bessere Nachwuchsförderung identifiziert. Das Kulturforum der Sozialdemokratie versteht sich dabei als Ort für gesellschaftliche Grundfragen, an dem sich gerade auch junge Menschen mit einbringen und an dem mutig kritische Punkte angegangen werden.

Nach einer exklusiven Führung durch das Stadtmuseum mit Museumsdirektor Dr. Kai Füldner gab es zum Abschluss des Tages eine öffentliche Podiumsdiskussion. Unter der Moderation von Siegmund Ehrmann diskutierten documenta-Geschäftsführerin Annette Kulenkampff, die Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt am Main, Ina Hartwig, sowie Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, über das Thema „Kulturelle Stadtentwicklung“.

Den Schlusspunkt dieser gleichermaßen von fruchtbarem Diskurs und praktischem Kunsterlebnis geprägten Tage bildete ein architektonischer Stadtspaziergang mit Prof. Dr. Christian Kopetzki am Sonntagvormittag.

Treffen der regionalen Kulturforen vom 26.-28.8.2016 in Berlin

Die Kulturmetropole Berlin ist Anziehungspunkt für viele Künstlerinnen und Künstler weltweit. Diese Attraktivität durch eine starke Kulturpolitik zu gestalten, war der thematische Schwerpunkt des Treffens der regionalen Kulturforen vom 24. bis 26. August 2016. 50 Mitglieder aus ganz Deutschland nutzten die Möglichkeit zum gegenseitigen Vernetzen und um neue Eindrücke in Berlin zu erhalten. Zu Beginn begrüßten Thorsten Schäfer-Gümbel als Vorsitzender des Kulturforums der Sozialdemokratie und Joachim Günther als Berliner Vorsitzender alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Treffens als Gäste beim diesjährigen Kulturempfang. Im Studio von Olafur Eliasson debattierten und feierten 300 Gäste aus Kunst und Politik unter dem Motto "Berlin und die Welt".

Die Vernetzung sowie programmatische Arbeit stand vor allem am Samstag im Vordergrund des Treffens. Thorsten Schäfer-Gümbel sprach in seiner kulturpolitischen Rede über die zukünftigen Herausforderungen für die Gesellschaft, aber auch die Kultur. Dem ansteigenden Populismus und Nationalismus müssen wir entschiedener entgegentreten. Europa sei außerdem durch den Brexit und die Ängste, die von den Rechten gegenüber dem Islam geschürt würden, verunsichert. Die Kulturforen sind hier in der Rolle, Debatten anzustoßen und Menschen mitzunehmen, die der Sozialdemokratie nahe stehen. Das Kulturforum werde außerdem die Fragen der Digitalisierung, der sozialen Sicherung von Künstlerinnen und Künstlern sowie die kulturelle Bildung als Schwerpunkte für die nächsten Jahre bearbeiten. Thorsten Schäfer-Gümbel betonte auch eine stärkere Vernetzung der Bundesebene mit den regionalen Kulturforen. Er lud alle dazu ein, Positionspapiere des Vorstands aktiv zu kommentieren und eigene Veranstaltung zu den Themen auszurichten. Nur gemeinsam könne man eine stärkere Politisierung der Foren erreichen.

Die Programmarbeit erfolgte im Anschluss in World Cafés. Fünf Arbeitsgruppen zu den Themen "Soziale Sicherung von Kreativen", "Kulturelle Bildung", "Kultur im ländlichen Raum", "Stadtraumkultur" und "Europaische Kulturpolitik" beschäftigten sich mit den Herausforderungen der Zeit und möglichen Lösungsvorschlägen. Spannende Ideen wie ein Europäisches Kulturforum oder ein Ausbau der kulturpolitischen Bildungsangebote für Mandatsträgerinnen und -träger wurden angeregt. Der Samstag wurde abgerundet mit einer Bustour durch die Freie Szene und die Projekträume in Berlin. Hier wurden den Teilnehmenden die Vielfalt und Kreativität der Stadt gezeigt.

Ein weiteres Highlight war die Besichtigung der Baustelle des Humboldt-Forums in Berlin am Sonntag bei strahlendem Sonnenschein. Das alte Stadtschloss wird derzeit auf der Museumsinsel neu erbaut. Wolfgang Thierse und Johannes Wien, Vorstandssprecher der Stiftung Humboldt-Forum im Berliner Schloss erläuterten den Gästen die Geschichte des Ortes sowie die architektonischen Überlegungen des Neubaus. Ab 2019 wird das Humboldt-Forum ein wichtiger kultureller Ort der Stadt sein und damit die Attraktivität Berlins weiter steigern.