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Philosophie und Politik

Philosophie und Politik | Philosophy meets Politics

15. Dezember 2014 im Willy-Brandt-Haus

mit Evgeny Morozov, Thorsten Schäfer-Gümbel, Gesche Joost, Volker Gerhardt, Thymian Bussemer
Moderation: Vera Linß

Fotos: Photothek

Sinn dieser 1996 von Julian Nida-Rümelin begründeten Veranstaltungsreihe ist es, der praktischen Politik Impulse aus der politischen Philosophie zu geben. Führende Repräsentanten der SPD setzen sich mit philosophischen Analysen und politischen Theorien international renommierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auseinander.

Die Dokumentationen der Veranstaltungen sind in der Reihe Kultur in der Diskussion im Klartext-Verlag Essen erschienen und um Buchhandel erhältlich:

Evgeny Morozov
Eine humane Gesellschaft durch digitale Technologien?
Philosophie und Politik XIV; Kultur in der Diskussion, Band 19
Herausgeber: Wolfgang Thierse
Klartext Verlag Essen 2015, 100 S., Broschur, 9.95 €
ISBN 978-3-8375-1442-1

Alle Lebensbereiche wie Arbeit, Bildung, Konsum und Produktion, Kultur und Medien sind von der Digitalisierung betroffen. Neue Technologien brauchen politische Gestaltung und Regulierung, damit sich neue Chancen entfalten können und Gefahren gebannt werden. Evgeny Morozov, einer der wichtigsten Kritiker der digitalen Welt, warnt seit Jahren, die Faszination des technischen Fortschritts solle nicht blind machen für neue Gefährdungen. Der bloße Glaube an einfache technische Lösungen - Morozov sprach von Solutionism - helfe nicht weiter. Damit der neue digitale Kapitalismus nicht Freiheit, Demokratie, Kultur und Gerechtigkeit zerstört, braucht es dessen aktive politische Gestaltung. Zu dieser Debatte leistet die nun erschienene Dokumentation der Veranstaltung am 15.12.2014 im Willy-Brandt-Haus einen wichtigen Beitrag. Besonders wird der Frage nachgegangen, welche strukturellen und institutionellen Innovationen notwendig sind, damit Big Data nicht nur dem neoliberalen Marktradikalismus dient. Gibt es eine Alternative zur Gefährdung von Freiheit, Humanität und Demokratie? Wie kann die digitale Identität zu einem öffentlichen Gut werden, über das die Bürgerinnen und Bürger selbst - und nicht wenige US-amerikanische
Internetmonopolisten - bestimmen?

Ulrich Beck
Neue europäische Architektur und kosmopolitische Nation
Philosophie und Politik XIII; Kultur in der Diskussion, Band 18
Herausgeber: Julian Nida-Rümelin und Wolfgang Thierse mit Peer Steinbrück
Klartext Verlag Essen 2013, 88 S., Broschur, 8,95 €
ISBN 978-3-8375-1057-7

Ulrich Beck, einer der bedeutendsten Soziologen weltweit, unterbreitet Vorschläge zu einer Revitalisierung der europäischen Integration hin zu einer kosmopolitischen Nation, die ihre Interessen im kooperativen Bündnis mit den anderen europäischen Ländern weltoffen neu definiert. Es gibt durchaus eine Wahl: zwischen dem deutschen Europa des merkiavellistischen Sparfundamentalismus und dem Willy-Brandt-Modell eines europäischen Deutschland.

Peer Steinbrück, Kanzlerkandidat der SPD zur Bundestagswahl 2013, antwortet mit konkreten Vorschlägen einer alternativen Europapolitik, die das Primat demokratisch legitimierter Institutionen über anonyme Märkte wieder herstellt. Es geht darum, erstens, den Zusammenhalt Europas zu retten. Zweitens, die große europäische Bewährungsprobe beim Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit zu bestehen, und zwar nicht übermorgen, sondern heute. Drittens, Europas Finanzarchitektur krisenfest zu machen gegen das große Erpressungspotenzial international oder global operierender Banken. Und viertens, Europa weiter zu demokratisieren. Mehr Demokratie wagen gilt auch für Europa.

Wang Hui
Die Gleichheit neu denken | Der Verlust des Repräsentativen
Philosophie und Politik XII; Kultur in der Diskussion, Band 17
Herausgeber: Julian Nida-Rümelin und Wolfgang Thierse
Klartext Verlag Essen 2012, 176 S., Broschur, 10,00 €
ISBN 978-3-8375-0711-9

Wang Hui, einer der herausragenden chinesischen Intellektuellen weltweit, übt Kritik an Fehlentwicklungen durch die Vorherrschaft der Marktlogik und die Vernachlässigung von Ökologie und sozialer Gleichheit. Er begründet und skizziert Grundzüge einer egalitären Gesellschaft, in der sich gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Demokratie bedingen und ergänzen. In seinen Reflexionen dazu, Gleichheit neu zu denken, bezieht sich Wang Hui gleichermaßen auf westliche Gerechtigkeitsdiskurse wie auf chinesische Philosophie und Analysen.
Sigmar Gabriel antwortet aus Sicht der SPD und beschreibt auf Basis europäischer Erfahrungen die epochale Aufgabe der Politik, den Kapitalismus ein zweites Mal zu bändigen, und wie sehr es auf Demokratie und Gerechtigkeit in Zeiten der Finanzkrise ankommt. Europäische und asiatische Traditionen sind höchst unterschiedlich. Was China und Europa voneinander lernen können, um Wohlstandsmehrung mit Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit, um Effektivität und Regulierung mit Formen des Demokratischen zu verbinden, darum ging es bei dem anschließenden Podiumsgespräch - mit Thomas Meyer, einem der führenden, auch in Asien viel diskutierten, Theoretiker der sozialen Demokratie.


Susan Neiman
Moralische Klarheit für erwachsene Idealisten

Philosophie und Politik XI; Kultur in der Diskussion, Band 16
Herausgeber: Julian Nida-Rümelin und Wolfgang Thierse
Klartext Verlag Essen 2011, 71 S., 8,95 €
ISBN 978-3-8375-0484-2

Susan Neiman verteidigt auf der Grundlage eigener historischer Analysen die Grundwerte der Aufklärung gegen ihre Kritiker und entwickelt ein philosophisches Fundament für heutiges politisches Handeln. Sie will die Sprache der Moral und deren Konzept des Guten, die von konservativen Parteien und der religiösen Rechten vereinnahmt wurden, für die progressive Politik zurückgewinnen. Hat deren derzeitige Defensive nicht auch damit zu tun, dass sie meinte, allen Idealen abschwören zu müssen und nicht mehr im Namen moralischer Werte wie etwa der Gerechtigkeit agieren zu können?
Susan Neiman nimmt diese politische Gegenwartsdiagnose zum Anlass, auf philosophischer Ebene das Verhältnis von Moral und Politik zu ergründen und entwickelt eine Ethik der Verantwortung für das eigene Handeln. Sie will damit einige der Hoffnungen und Ideale zurückerobern, denn Moral und Ideale inspirieren die Menschen immer noch und weisen ihnen den Weg, indem sie den Unterschied zwischen dem Realen und dem Möglichen vor Augen führen.
Olaf Scholz antwortet aus Sicht der Sozialdemokratie. Für eine Partei, der es in der Tradition der Aufklärung und oft auch mit ethischen Argumenten seit jeher um "gleiche Freiheit", um den Fortschritt hin zu mehr Gerechtigkeit und Emanzipation geht.

Thomas Pogge
Gerechtigkeit in der Einen Welt

Philosophie und Politik X; Kultur in der Diskussion, Band 15
Herausgeber: Julian Nida-Rümelin und Wolfgang Thierse
Klartext Verlag Essen 2009, 80 S., 9,95 €
ISBN 978-3-8375-0153-7

Gerechtigkeit ist die oberste politische Tugend, an ihr muss sich alles andere messen. Angesichts der globalen Vernetzung der Welt, der internationalen Warenströme, der Migrationsbewegungen, der kulturellen und politischen Konflikte stellen sich Fragen der politischen Gerechtigkeit heute international und gewinnen gerade zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise erneut an Relevanz.
Thomas Pogge, Leitner Professor for Philosophy and International Affairs an der Yale Universität, früher Assistent von John Rawls, ist der profilierteste politische Denker zu dieser Thematik weltweit.
In der Reihe "philosophy meets politics" des Kulturforums antworten auf Pogges philosophische und empirische Reflexionen zur globalen Gerechtigkeit Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, Julian Nida-Rümelin, Wolfgang Thierse und Gert Weißkirchen.

Jürgen Habermas und Frank Walter Steinmeier
European Prospects - Europäische Perspektiven

Philosophie und Politik IX; Kultur in der Diskussion, Band 13
Herausgeber: Julian Nida-Rümelin und Wolfgang Thierse
Klartext Verlag, Essen 2008, 50 S., 8,20 €
ISBN 978-3-89861-964-6

Der Lissaboner neue Grundlagen-Vertrag für die Europäische Union ist nach einer Phase der Krise der Europäischen Einigung auf den Weg gebracht. Jürgen Habermas und Frank-Walter Steinmeier diskutieren die Frage, ob die Europapolitik weiterhin in einer Sackgasse steckt und wie das Projekt der europäischen Einigung fortgeführt werden soll.

Thomas M. Scanlon
Political Equality - Politische Gleichheit
Philosophie und Politik VIII; Kultur in der Diskussion, Band 12
Herausgeber: Julian Nida-Rümelin und Wolfgang Thierse
Klartext-Verlag Essen 2006, 125 S., 12,90 €
ISBN 3-89861-432-8

Thomas M. Scanlon, Alford Professor of Natural Religion, Moral Philosophy and Civil Polity an der Harvard Universität beschreibt Bedingungen, unter denen Gleichheit politisch relevant und ethisch begründet ist. Wie verhalten sich die Ideen gleicher Leistungen, der fairen Chancengleichheit, der Vermeidung von Statusunterschieden, der Gleichheit der Ergebnisse zueinander? Wieweit reichen - ohne das Streben nach wirklicher Gerechtigkeit, das wesentliche Elemente von Gleichheit einschließt, zu relativieren - Argumentationen der Gleichheit, wo sind deren Grenzen?
Die Antworten, wissenschaftlich erörtert von deutschsprachigen Philosophen und sozialdemokratischen Politikern, zeigen Erfahrungen der politischen Praxis, Zusammenhänge von politischer Gleichheit und sozialer Gerechtigkeit auf. Der Band widerspricht modischem Antiegalitarismus und liefert wichtige Impulse auf dem Weg hin zum neuen Grundsatzprogramm der SPD.