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07.06.2018

Thorsten Schäfer-Gümbel zum Tod von Hilmar Hoffmann

Der Tod von Hilmar Hoffmann macht nicht nur Kulturpolitiker, sondern die ganze SPD sehr traurig. Im Alter von 92 Jahren ist der frühere Frankfurter Kulturdezernent verstorben.

Sein Anspruch „Kultur für alle“ war und ist das oberste Gebot sozialdemokratischer Kulturpolitik. Für ihn, der ein Jahr nach Brandts Amtsübernahme in Bonn Dezernent in Frankfurt wurde, galt Willy Brandts Forderung „mehr Demokratie wagen“ auch auf dem Gebiet der Kultur. Das Ziel ist der kritische, urteilsfähige Bürger, der imstande ist, durch einen permanenten Lernprozess die Bedingungen seiner sozialen Existenz zu erkennen und sich entsprechend zu verhalten.

Es war der Abschied von der Dominanz des Bilderbürgertums, es war der Weg hin zur Öffnung und Erweiterung des kulturellen Lebens. Kultur sollte nicht (mehr) die Sache von Eliten sein oder von Reichen, die sich Zerstreuung leisten, sein ein Angebot an alle Menschen. Hoffmann betonte, Kultur sei „kein absoluter Wert, der an sich selbst gemessen werden kann, sondern nur an den gesellschaftlichen Entwicklungen, die sie bewirkt oder deren Bedingungen ihre Entfaltung unterworfen ist.“ Dieser kulturpolitische Ansatz war nicht weniger als wegweisend und prägt die Politik der SPD bis heute. Sein Anspruch bleibt Maßstab unseres Handelns.

Kultur hat eine kaum zu überschätzende Bedeutung für Toleranz, Dialog und Verständigung. Sie ist Brückenbauer und Brücke zugleich. Gerade in Zeiten zunehmender Polarisierung der Gesellschaft sollten wir uns auf diese Kraft mehr stützen. Kunst und Kultur sind ein festes Fundament für unser Zusammenleben. Sie sind frei von jedem Zweck und dürfen nicht kommerziellen Zielen untergeordnet werden. Zugleich vermögen sie stark und positiv auf alle Bereiche der Gesellschaft zu wirken und unser aller Leben zu bereichern.

„Kultur für alle“, das heißt, jede und jeder Einzelne soll die Möglichkeit haben, kulturelle Angebote wahrzunehmen, mit ihnen aufzuwachsen, sich an ihnen zu reiben – unabhängig von Elternhaus, Einkommen, Abstammung, Bildung oder Gesundheit.

Ich selbst habe vor knapp zwei Jahren den Vorsitz des Kulturforums der Sozialdemokratie übernommen. Die Texte von Hilmar Hoffmann gehörten zur Basis-Lektüre und sind für mich seither die zentrale Säule für unsere Arbeit im Kulturforum. Wollen wir dem Anspruch „Kultur für alle“ heute noch oder wieder gerecht werden, muss Kulturpolitik sich breiter als bisher aufstellen, um den gesellschaftlichen Entwicklungen, der Digitalisierung und der umfassenden Teilhabe an Kultur gerecht zu werden.

Hilmar Hoffmann hat die Kultur in Frankfurt geprägt wie kein Zweiter. Seine Akzente haben bis heute Spuren hinterlassen. Er verband visionäre Vorstellungskraft mit zielgerichtetem, pragmatischem Tun. Das Museumsufer zeugt von Hilmar Hoffmanns erfolgreichem Wirken. Es bleibt sein Verdienst, dass Frankfurt sich zu einer der führenden kulturellen Metropolen entwickeln konnte.

Schon als Sozial- und Kulturdezernent in Oberhausen hatte er zuvor Fragen der stadtpolitischen Entwicklung mit sozialpolitischen und kulturellen Ansätzen verbunden. Er brachte Musik, Theater und Literatur in die Stadtteile und ermöglichte so eine neue, lebendige Beteiligung der Menschen.

Wir trauern um einen Genossen mit klarem sozialdemokratischem Kompass. Hilmar Hoffmann hat dieses Land und seine SPD geprägt. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie. Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten werden Hilmar Hoffmann ein ehrendes Andenken bewahren.