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21.01.2016

Suffragette

Concorde Filmverleih

Wie weit würdest Du gehen, um für Deine Rechte zu kämpfen? Was würdest Du riskieren? Job? Beziehung? Das eigene Kind? Maud Watts (Carey Mulligan) gibt all das. Besser gesagt, sie verliert all das. Gegen Ende des Films "Suffragette" schläft sie in einer Kirche, ihre Ehe ist gescheitert, ihren Sohn hat sie verloren. Wofür das alles? Maud will wählen. Sie will Einfluss nehmen auf die Gesetzgebung. Sie will die gleichen Rechte wie Männer. Das Problem: Sie ist eine Frau.

London 1912. Seit einem halben Jahrhundert kämpfen die Frauen dort um das Wahlrecht. Wenn sie Glück haben, werden sie dafür verlacht. In der Regel werden sie ignoriert. 1903 gründet die bürgerliche Emmiline Pankhurst (im Film verkörpert von Meryl Streep) die "Women's Social and Political Union", die dem Kampf ums Frauenwahlrecht Schwung verleiht. Nun ist es an der Zeit, die Strategie zu ändern: "Taten statt Worte". Das ist auch der Untertitel des Films von Sarah Gavron (Regie) und Abi Morgan (Drehbuch). Sie erzählen davon, wie die Suffragetten sich radikalisieren.

Arbeiterinnen schalten sich in den Kampf ein

Und wie die Bewegung an Breite und Durchsetzungskraft gewinnt, als die Arbeiterfrauen sich in diesen Kampf einschalten. Frauen wie Maud Watts. Die Hauptfigur des Films verdient ihren Lebensunterhalt in einer Wäscherei. Sie hat einen Kollegen geheiratet und einen Sohn bekommen. An das Wahlrecht hat sie nie einen Gedanken verschwendet. "Ich dachte nicht, dass wir es je bekommen könnten", sagt sie im Film. Sie kommt in Kontakt mit den Suffragetten und ist anfangs so fasziniert wie verängstigt von den Frauen, die lautstark für ihre Rechte eintreten. Doch bald ist sie überzeugt davon, dass sich etwas ändern muss - und dass sie dazu beitragen kann.

Maud erlebt die Radikalisierung der Bewegung. Und sie trägt sie mit. Sie hilft dabei, Briefkästen zu sprengen oder Telegrafenkabel zu kappen. Der Staat zeigt seine Zähne und die Frauen wehren sich. Sie wollen nicht länger nach den Regeln von Männern spielen, die sie nicht einmal gewählt haben. Sie wollen eine bessere Zukunft. "Was wäre, wenn wir ein Mädchen hätten? Was für ein Leben würde sie führen?" Das fragt Maud ihren Mann Sonny (Ben Whishaw). "Das gleiche wie Du", antwortet er. Genau das will Maud verhindern.

Und heute?

1918 erkämpfen die Frauen in Großbritannien sich das Wahlrecht. Der Film "Suffragette" würdigt ihren Kampf. Und der ist längst nicht vorbei. In Europa dürfen Frauen zwar an die Wahlurnen. Allerdings brauchte etwa die Schweiz bis 1971, um das zuzulassen. Auch Frankfreich führte das Frauenwahlrecht erst 1944 ein. In Ländern wie Saudi Arabien haben Frauen bis heute keine Stimme. Doch auch in Europa ist die Gleichstellung der Geschlechter längst nicht erreicht. So klafft in Deutschland immer noch eine Lohnlücke von 22 Prozent zwischen Frauen und Männern. Das betonte Henrike von Platen von Business and Professional Women Germany in der Diskussion nach dem Film.

Ein Problem das nach wie vor aktuell ist, ist die fehlende Aufmerksamkeit für Frauenrechte. SPD-Generalsekretärin Katarina Barley sprach an, dass der Gesetzesentwurf zur Reform des Sexualstrafrechts seit sechs Monaten unbearbeitet im Kanzleramt liege. Erst seit den sexuellen Übergriffen in der Sylvesternacht in Köln werde Handlungsbedarf gesehen. Aber nicht, weil plötzlich klar sei, dass auch Grapschen ein sexueller Übergriff ist. Sondern weil es gegen Migranten gehe, so Barley.

"Suffragette. Taten statt Worte", Regie: Sarah Gavron, England 2015. Ab Donnerstag in den Kinos.