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Aktuelles

06.04.2017

Das Kulturforum bei Leipzig liest 2017

Alexandra Gruber

"Fremde Heimat: Herausforderungen und Perspektiven der Integration von Geflüchteten"


Unter diesem Titel trafen sich am Abend des 24. März Hanka Kliese, Vorstandsmitglied des Kulturforums der Sozialdemokratie und kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, und die drei Buchautorinnen Christiane Rösinger, Jasna Zajcek und Hannah Dübgen im Rahmen einer Diskussion im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig. Moderiert wurde das Gespräch von Bastian Wierzioch.

Ausgehend von ihren aktuellen Büchern "Zukunft machen wir später. Meine Deutschstunden mit Geflüchteten" (C. Rösinger), "Kaltland. Unter Syrern und Deutschen" (J. Zajcek) und "Über Land" (H. Dübgen) berichteten die drei Autorinnen von ihren vielfältigen persönlichen Erfahrungen im Zusammentreffen mit Geflüchteten. So schilderte Christiane Rösinger von der Schwierigkeit ein unbelastetes Thema zu finden, über das sich im Deutschkurs mit Flüchtlingen sprechen lässt: „Jedes Thema ist schwierig, sei es Familie, Wohnung oder Einkaufen.“ Aus Ihrer Sicht ist gerade das Lernen der deutschen Sprache eine elementare Grundvoraussetzung für eine gelingende Integration. Die Willkommenskultur versteht sie als „Gefühl des wir-werden-wahrgenommen“, es geht dabei um einen respektvollen Umgang auf Augenhöhe.

Jasna Zajek, die selbst viele Jahre in Damaskus lebte, berichtete von ihren Erfahrungen in der Flüchtlingseinrichtung eines sächsischen Dorfes. Sie sieht in der Ausbildung Geflüchteter z.B. zu Sanitätern eine große Chance, da diese erworbenen Fähigkeiten später insbesondere dem Wiederaufbau der jeweiligen Heimatländer zugutekommen könnten.

Hanna Dübken, wies u.a. auf die schizophrene Situation der Geflüchteten hin, die ihrer Familie und ihren Freunden gleichzeitig so fern und so nah sind: „Man hat eine Grenze überquert, man kann nicht mehr zurück, aber man kann per Telefon oder Internet noch Kontakt nach Bagdad haben.“ Diese Kontaktaufnahme ist elementar und doch schwer zu erreichen. Es kostet Geld nach Hause zu telefonieren, und das nächste Internetcafé ist oft weit entfernt. Aus Dübkens Sicht ist es auch wichtig, sich von der mit der Integration verbundenen Erwartungshaltung zu befreien und Integration nicht nur aus der eigenen Perspektive zu betrachten. Vielmehr sollte man den Geflüchteten das Gefühl geben, dass man sich für sie und ihre Kultur interessiert; das schafft Verbundenheit.

Auch Hanka Kliese macht immer wieder persönliche Erfahrungen mit der Situation der Geflüchteten, unter anderem im Rahmen einer Schulpatenschaft, die sie zusammen mit einem Kollegen für ein syrisches Mädchen übernommen hat. Ihr ist wichtig zu betonen: "Es stimmt, nicht alle Flüchtlinge kommen direkt aus dem Krieg zu uns. Manche suchen einfach bessere Lebensbedingungen, ein intaktes Gesundheitssystem oder träumen einfach von einem besseren Leben. Jeder Mensch hat aus meiner Sicht ein Recht darauf, hinaus zu gehen und sein Glück zu suchen. Das sollte gerade in Sachsen niemandem fremd sein."

Christiane Rösinger "Zukunft machen wir später. Meine Deutschstunden mit Geflüchteten" (S. Fischer)
Jasna Zajcek "Kaltland. Unter Syrern und Deutschen" (Droemer Knaur)
Hannah Dübgen "Über Land" (dtv)

Veranstalter: Leipziger Buchmesse, Kulturforum der Sozialdemokratie, Verlagsgruppe Droemer Knaur, S. Fischer Verlag, Deutscher Taschenbuch Verlag