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Alexandra Gruber,
03.08.2017

Kulturpolitischer High Noon an der Universität Hildesheim

Thorsten Schäfer-Gümbel war zum Ende des Sommersemesters Gast an der Universität Hildesheim und stellte sich den Fragen von Studierenden der Kulturwissenschaften, die sich am Lehrstuhl von Professor Dr. Wolfgang Schneider mit Kulturpolitik beschäftigen.

Eingeladen war er als Vorsitzender des Kulturforums der Sozialdemokratie, denn im Rahmen des Seminars „Politische Hinterbänkler, Künstler als Lobbyisten, Vereinsmeier und andere“ ging es vor allem um die Rolle der kulturpolitischen Akteure im föderalen Deutschland. Als Landespolitiker hält es Thorsten Schäfer-Gümbel zum Beispiel nicht für sinnvoll, ein Bundeskulturministerium zu etablieren. Diese Debatte sei stark geprägt von bundespolitischen Akteuren in der Hauptstadt: „Die Wirkungsmächtigkeit auf Bundesebene ist nicht abgestimmt. Hier müssen die Kommunen und Länder nacharbeiten.“ Die Steuerungsidee von oben funktioniere nicht ohne Föderalismus, die breit gefächerte Kulturlandschaft lebe insbesondere von föderalen Entwicklungen. Die SPD wolle keine Dominanz der Bundeskulturpolitik. Sie wolle einen Masterplan Kultur, in dem Projekte überregionaler Bedeutung besser vernetzt werden.

Was heiße es zum Beispiel, „Kultureinrichtungen in eine digitale Zukunft“ zu führen, wie es im Kulturkapitel des SPD-Wahlprogramms nachzulesen ist? Die technische Ausstattung der Institutionen müsse verbessert werden, erläuterte Schäfer-Gümbel und forderte, dass hier mehr Ressourcen zur Verfügung stehen sollten. „Neue Konzeptionen und technischer Support sind von Nöten, auch und gerade im Rahmen der kulturellen Bildungsprogramme.“

Eine klare Antwort gab es auch auf die Frage, ob Hessens Kulturpolitik auf die Schuldenbremse vorbereitet sei. Schäfer-Gümbel: „In Hessen gibt es keine Landeskulturpolitik – nur eine kommunale!“ Kommunen würden herangezogen, um überregionale Projekte zu finanzieren und das kulturpolitische Engagement liege auf Beamtenebene. Auch frühere Regierungen hätten Kulturpolitik zum Teil nicht sehr wichtig genommen und daher sei das Feld eher unterversorgt.

Außerdem galt es auf dem Kulturcampus, kurz und knapp sich zu positionieren: Die Kulturstaatsministerin macht ihre Sache ... ziemlich ordentlich! Dem hessischen Kunstminister empfehle ich ... eine Auszeit! Der Bund sollte in der Kulturpolitik … mehr koordinieren!

Schließlich verabschiedete er die rund 50 Studierenden mit einer Lektüreempfehlung in die vorlesungsfreie Zeit: „Über Land“, ein Roman von Hannah Dübgen, zwischen Berlin und Bagdad spielend, der den Zustand des Fremdseins beschreibe sowie von Freundschaft und der Sehnsucht nach Selbstbestimmung erzähle.